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Der Wahlsieg Macrons aus Sicht der USA

Washington Monument in Washingyon DC, Foto: Pedro Szekely, 12.7.2015; CC By-SA 2.0/Quelle: flickr

Auch in den USA wurde Emmanuel Macrons Sieg gefeiert. Mehrere überregionale amerikanische Tageszeitungen titelten am 8. Mai mit seinem Foto am Louvre und Schlagzeilen, welche die Wahl begrüßten. Die Franzosen hätten einen Präsidenten gewählt, der sich für Wirtschaftsreformen in Frankreich einsetzen wolle sowie eine pro-europäische und transatlantische Haltung habe, notierten viele Journalisten und Experten. Frankreich habe mit der Wahl Populisten und Nationalisten jedweder Couleur eine klare Absage erteilt und damit für ganz Europa einen entscheidenden Etappensieg markiert.

Mit Macron kommt etwas Neues

Spätestens jetzt, zum Zeitpunkt seines Wahlsieges, entdeckt eine breitere Öffentlichkeit den noch vor Kurzem in den USA völlig unbekannten Politiker Macron. Bis zu den Wahlen hatten sich US-Beobachter vor allem auf François Fillons Skandale und Marine Le Pens Programm konzentriert. Macrons sucess story mit seinem meteorhaften politischen Aufstieg kommt in den USA eher gut an. In einem Land, das momentan selbst bedeutende politische Umwälzungen erlebt, wird es häufig als positiv wahrgenommen, dass Macron der jüngste französische Präsident aller Zeiten und ein in der Politik noch durchaus unbeschriebenes Blatt ist.

Viele Herausforderungen und hohe Erwartungen

Die Amerikaner sind sich der Schwierigkeiten, mit denen Macron schon jetzt konfrontiert ist, allerdings bewusst. Mehrere Beobachter verweisen darauf, welche Herausforderung schon allein die Parlamentswahlen für einen Präsidenten ohne etablierte Partei darstellen, wenn dieser eine Regierung bilden will, die sein Programm implementiert. Le Pens Teilerfolg, so viele Experten, unterstreiche zudem die Notwendigkeit, die Themen Einwanderung und innere Sicherheit ganz oben auf der Agenda zu behalten. Allgemein zeige der hohe Anteil an Stimmen für Le Pen oder Enthaltungen ganz deutlich, so der Tenor, dass Macron die tiefe Unzufriedenheit vieler Franzosen frontal angehen sollte, wenn das Land eine neue Kraftprobe gegen Rechtsextremisten im Jahr 2022 vermeiden wolle.

Zugleich äußern viele amerikanische Beobachter in Medien und Think Tanks sehr hohe Erwartungen an den neuen französischen Präsidenten. Frankreich soll jetzt unter Macrons Führung an allen Fronten liefern: Wirtschaftsreformen durchführen, die EU stärken, eine noch konstruktivere Rolle in der Nato und zur Vertiefung der europäischen Verteidigung spielen und – für manche – mehr Engagement in den Bereichen Migration, Klima und Entwicklung zeigen. In diesem Kontext warnen einige schon vor kommenden Enttäuschungen.

Der US-Präsident hatte während des französischen Wahlkampfs Le Pen diskrete Unterstützungszeichen gegeben. Am 7. Mai hat Donald Trump allerdings Macron zu seinem „big win“ in einem Tweet gratuliert und seinen Willen, mit ihm zu arbeiten, zum Ausdruck gebracht. Mehrere US-Experten betonen auch, dass Macrons Engagement für eine stabile EU und eine starke Nato sowie transatlantische Kooperation u. a. im Bereich der Terrorismusbekämpfung durchaus im Interesse der US-Regierung sind.

Céline-Agathe Caro
Céline-Agathe Caro
Dr. Céline-Agathe Caro ist Senior Policy Analyst im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington. Sie hat 2009 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.

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