#Présidentielle 2017 – Die Twitter-Debatte zwischen den Wahlgängen
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Kein Selbstläufer
9. Mai 2017

Auslandspresseschau nach dem zweiten Wahlgang

Der neu gewählte französische Staatspräsident heißt Emmanuel Macron

Das bedeutet Aufatmen, weil Frankreich keine rechtsextreme Staatspräsidentin vorstehen wird. Für den neu Gewählten heißt es allerdings nicht Durchatmen – die Mehrheitsbildung bei der Parlamentswahl wird schwierig und das Protestlager von links wie von rechts ist groß.

Autor*innen des Blogs, die im Ausland arbeiten, haben für uns einen Blick in die Presse ihres Aufenthaltslandes geworfen.

USA

Dr. Céline-Agathe Caro

Erleichterung in der US-Presse. Macrons Sieg wird in den meisten Zeitungen als Sieg gegen Populisten und Globalisierungsgegner sowie als Gewinn für die EU gesehen. Frankreich begeistere sich für einen jungen und optimistischen Präsidenten, schreiben viele. Seine Arbeit beginne aber sofort, um eine Regierungsmehrheit bei den bevorstehenden Parlamentswahlen zu erreichen und ein gespaltenes Land zu reformieren.

Washington Post

With Le Pen defeat, Europe’s far-right surge stalls

Emmanuel Macron’s unlikely path to the French presidency

New York Times

France Elects Emmanuel Macron – Editorial

Macron Decisively Defeats Le Pen in French Presidential Race

Macron and the Revival of Europe – Op-Ed, Roger Cohen

Wall Street Journal

Macron Wins French Presidency

French Election Victor Emmanuel Macron’s ‘New Deal’ for Europe Faces Old German Doubts

Los Angeles Times

Le Pen concedes as Macron wins in a landslide; he will be youngest president in French history

USA Today

Five reasons the French election is a big deal

Chicago Tribune mit Associated Press

Pro-EU Emmanuel Macron becomes France’s youngest president

 

 

Russland

Philipp Nießen

Aufgrund der ausgedehnten Feierlichkeiten zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland gibt es in Moskau heute keine aktuellen Print-Ausgaben der führenden Tageszeitungen. Online wird das Thema jedoch aufgegriffen, wenn auch meist nüchterner als beim ersten Wahlgang im April.

Rossijskaja Gaseta

Die regierungsnahe Zeitung  führt die französischen Präsidentschaftswahlen als Aufmacher in ihrer Online-Ausgabe und schreibt: „Emmanuel Macron hat die Wahlen in Frankreich gewonnen“ („Эмманюэль Макрон одержал победу на выборах во Франции“, https://rg.ru/2017/05/07/emmaniuel-makron-izbran-prezidentom-francii.html). Weiterhin wird an anderer Stelle berichtet, dass FN-Gründer Jean-Marie Le Pen die Wahlniederlage der Fokussierung auf die falschen Themen rund um die Europäische Union und dem FN-Vize Florian Filippo anlastet. „Wir müssen mit Frankreich über die realen Probleme reden. Demographischer Wandel und die Folgen der Masseneinwanderung“ (https://rg.ru/2017/05/08/otec-marin-le-pen-nazval-prichiny-ee-porazheniia-na-vyborah-vo-francii.html).

Kommersant

Die meistgelesene Wirtschaftszeitung des Landes behandelt die Wahlen als Aufmacher ihrer Onlineausgabe und titelt „Frankreich wählte das jüngere Übel“ („Франция выбрала младшее из зол“, http://www.kommersant.ru).

Novaya Gaseta

Die als oppositionell wahrgenommene Zeitung schreibt „Geschichte mit Macron: Frankreich hat seinen Präsidenten gewählt“ („История с Макроном: Франция выбрала президента“, https://www.novayagazeta.ru/articles/2017/05/07/72392-vybory-frantsiya) im Aufmacher ihrer Online-Ausgabe. Im Untertitel heißt es, dass vor allem eine Präsidentin Le Pen im Élysée-Palast verhindert wurde, was wohl das Wahlmotiv zahlreicher Franzosen war.

 

 

Großbritannien

Ulrike Franke

Die Wahl in Frankreich ist den meisten – wenn auch nicht allen – britischen Zeitungen eine Meldung auf der Titelseite wert.

Die Financial Times spricht von einer „phänomenalen Leistung“ Macrons, der ohne etablierte Partei und ohne jemals zuvor ein gewähltes Amt innegehabt zuhaben, die Wahl gewonnen hat.

Mit die umfangreichste Berichterstattung hat der Guardian. Schon am Sonntagabend erscheint eine Stellungnahme der Herausgeber, die Macron ,,jeden Erfolg” wünschen. „Jedes andere Ergebnis wär eine europäische Katastrophe gewesen“. Doch, so die Redakteure, „dieser Sieg gibt mehr Anlass zu Erleichterung als zu Freude“ – jetzt müsse Macron zeigen, dass er eine parlamentarische Mehrheit bekommen kann und seine Reformen implementieren.

Auch der Oxfordprofessor und überzeugte Europäer, Timothy Garton Ash, schlägt nachdenkliche Töne an. Er rät den Europäern, nach dem Glas Champagner zur Feier Macrons Sieges, gleich drei Espressos hinterherzutrinken – einen für jedes Problem, dem Macron und Europa sich stellen muss. Er warnt, dass, wenn Macron mit seinen Reformen keinen Erfolg hat, Le Pen 2022 gewinnen könnte.

Natürlich ist der Einfluss der Wahl auf die Brexitverhandlungen ein großes Thema in den britischen Medien. Die Daily Mail – Großbritanniens bekanntestes Tabloid-Blatt und eines der wichtigsten Brexit-Sprachrohre – titelt „Macron, 39, droht mit harter Brexit Position nach klarem Sieg über Le Pen“. Viel mehr Brexit-Analyse gibt es jedoch nicht, das Blatt berichtet insbesondere über Klatsch und Tratsch, wobei Macrons 25 Jahre ältere Frau und die Tatsache, dass sie bereits eine Enkelin hat, die am Abend auf der Bühne mitfeierte, am meisten Interesse hervorrief. Nachdem das Blatt im ersten Wahlgang noch eine „neue französische Revolution“ auf dem Titelblatt ausgerufen hat, ist die französische Wahl diesmal ins Innere der Zeitung verbannt – auf dem Titelblatt wird lieber über das englische Königshaus berichtet.

Ähnlich berichtet die Sun: „Hart zu Brexit: Die Wahl des pro-EU Emmanuel Macon ist besorgniserregend für Brexit Britain“. Doch auch hier scheint die ältere Ehefrau mindestens genauso interessant.

Der Telegraph sieht ,,einen Schatten überm Brexit” durch Macrons Sieg. Die Zeitung gibt zwar zu, dass das Chaos, das durch einen Le Pen Sieg ausgelöst worden wär, wahrscheinlich schlimmer gewesen wäre, doch bei Londoner Brexit-Anhängern hält sich der Jubel in Grenzen.

Der offizielle Twitter Kanal von Leave.EU, der Brexit Out-Kampagne machte den ganzen Wahlabend über Stimmung gegen Macron, mit teils höchst geschmacklosen Posts, wie einem Bild der Titelseite zu Frankreichs Kapitulation gegen Nazideutschland im zweiten Weltkrieg mit der Bildüberschrift „Die Franzosen kapitulierten in 1940. Dieses Mal haben sie den Deutschen sogar Sprit und Munition gespart.“

 

Belgien

Julia Wanninger

Medium Orientierung  Inhalte zur Wahl
La Libre Belgique eher rechts, katholisch Titelseite ,,L’élu ‘’

  • ,,Le plus dur reste à faire…’’
  • ,,Une victoire qui ouvre une nouvelle page politique’’
  • ,,La France a fait une chose extraordinaire ce soir’’
  • ,,Le jeune homme pressé est entré dans l’Histoire’’
  • ,,Plongée dans l’écurie d’Emmanuel Macron’’
  • ,,Brigitte, sans laquelle il ne serait pas lui’’
  • ,,Des législatives qui s’inscrivent dans cette période d’incertitude politique’’
Le Soir eher links Titelseite „Pour Macron, tout commence“

  • ,,Les opposants s’appellent déjà à la revanche’’
  • ,,Les deux discours d’un chef d’Etat rassembleur’’
  • ,,Abstention, votes blancs et nuls ont conduit à ‘un président sous surveillance’’
  • ,,Un président plus ouvertement pro-européen que jamais’’
  • ,,Emmanuel Macron, l’histoire d’une ascension claire’’
  • ,,Après la gifle, la ‘transformation’’(über den FN)
  • ,,Macron peut réunir une majorité le 18 juin’’
L‘Echo Wirtschaftszeitung
  • ,,Le conquérant moderne’’
Le Vif rechts
  • „Le paradoxe Macron. Optimiste, pro-européen, confiant dans la mondialisation: un favori à contre-courant’’
Lavenir Mitte, mehr Leser außerhalb der großen Städte
  • „Le vote des Français de Belgique“
  • ,,Marine Le Pen, bonne troisième au deuxième tour ?’’
  • ,,Marine a déjà tué son père, au tour de son parti maintenant’’
Sudpresse meist gelesene Zeitung, volksnah
  • ,,Grenade désencerclante, fumigène…: manifestations ‘anticapitalistes’ dans plusieurs villes françaises après l’élection d’Emmanuel Macron’’

 

De Standaard Mitte bis Mitte-Links, urspr. katholisch. Heute Qualitätszeitung, die von flämischen Intellektuelle von Links bis Rechts gelesen wird.

 

Titel „En Marche, Monsieur Le Président’’

  • ,,Frankreichs letzte Chance‘‘
  • „ En même temps: das klingt so schön“ (über die Veranstaltung am Louvre)
  • „Das Elysée ist gewonnen, jetzt noch das Palais Bourbon“
  • „Rekord und dennoch ist es schwierig“
  • „Wir müssen noch mehr Menschen überzeugen, dass sie nicht der Teufel ist“
  • „Frankreich hat eine neue Brigitte“
Het Laatste Nieuws Mitte-Rechts, Tendenz hin zur liberalen Partei. Leser sind die ‘Normalbürger’, leicht populistischer Touch. Größte Zeitung in Flandern, viel Sport, weniger Politik, noch weniger Außenpolitik. Dennoch einflussreich, da große Leserschaft.
  • „Brigitte Macron, neue Première Dame und 24 Jahre älter als der Präsident“
  • „Abneigung gegen Le Pen größer als Sympathie für Macron“
  • „Macron: ‚Ich erkenne die Wut, Angst und Zweifel, die viele von Ihnen zum Ausdruck gebracht haben‘“
  • „Wie ist Emmanuel Macron, der neue Präsident von Frankreich?“

Schweiz

Emmanuelle Bautista

Le Temps: „Alles fängt erst an, M. Macron“

Eine riesige Arbeit erwarte Emmanuel Macron. Sein feierlicher Appell zu einer wahren und neuen Mehrheit gebe den Ton für die nächsten fünf Jahre vor. Sein erstes Treffen mit Frankreich sei alles anderes als „normal“. Sein Appell berücksichtige die Realität der Wahlen. Er schlage eine Brücke zu denen, die ihn nicht gewählt haben, und zeige das Verhalten eines Kämpfers, der in einem Monat die Parlamentswahlen gegen die tradionnelle Parteien gewinnen soll.

Das Editorial spricht von einem neuen Politiker, um Frankreich zu modernisieren. Es sei der fantastische Sieg eines Mannes über ein System. Die französische Politik leide seit Jahren unter ihrer Unfähigkeit, ihr Personal zu erneuern. Frankreich habe für Veränderung entschieden. Bleibe aber die Frage der parlamentarischen Mehrheit, der Kontinuität der Dynamik von En Marche. Nichts werde einfach sein. Als Emmanuel Macron En Marche gegründet habe, hatte er keine Chance. Keiner hätte für ihn gewettet. Er sei schließlich der Beste, um diese schwierige Aufgabe zu lösen: Frankreich zu modernisieren.

La Tribune de Genève: „Frankreich in der Macron-Ära“

Frankreich befinde sich jetzt in einer neuen Ära, der des Unbekannten. Die Vernunft und der gesunde Menschenverstand haben gewonnen. Alles Mögliches könne passieren, auch das Beste. Emmanuel Macron habe den traditionellen politischen Wettstreit schon verändert. Frankreich sei in den letzten Jahren ein Schatten seiner selbst geworden: Chirac, Sarkozy, Hollande seien gescheitert. Macron stehe vor einer riesigen Aufgabe: parlamentarische Mehrheit gewinnen, die „zwei Frankreich“ zu versöhnen.

„Macron, gut gewählt, Frankreich soll noch geschont werden“: Starke Enthaltung, viele Ängste, Zugewinn für den FN, neue politische Lage. Macron sei der Präsident, der Veränderungen bringen will: schnell, liberal, egalitär, jung, pragmatisch, europäisch. Eine atypische Laufbahn. Er habe alle Schemata der französischen Politik aufgebrochen.

NZZ: „Frankreichs neuer Staatschef im Minenfeld“

Macron starte als schwacher Präsident, aus persönlichen wie aus institutionellen Gründen. Es werde schwer für ihn, eine parlamentarische Mehrheit zu erhalten. Er verfüge jetzt über eine ungewöhnlich schwache Legitimität. Tatsächlich sei Macron von den meisten Bürgern nicht aus Überzeugung gewählt worden, sondern nur deshalb, weil sie das größere Übel, Marine Le Pen, verhindern wollten. Zudem gebe zu denken, dass die Stimmenthaltung mit 25 Prozent die höchste seit 1969 sei und auch rekordverdächtige 12 Prozent der Wählenden einen leeren oder ungültigen Stimmzettel abgegeben hätten, weil sie explizit weder für Macron noch für Le Pen stimmen, aber ihre Bürgerpflicht wahrnehmen wollten. Macron verfüge nicht über eine festgefügte Partei, auf die er sich stützen könne. Wohl habe sich En marche als Wahlkampfvehikel bewährt, aber es fehle der Bewegung die breite Verankerung im Land. Die Personaldecke sei eher dünn, auch wenn jetzt wohl Überläufer aus andern Parteien dazu stoßen. Neue Gesichter seien noch keine Garantie für eine kohärente und erfolgreiche Politik, zumal klare Zielsetzungen fehlten. Wer aus dieser Asche wie der mythische Vogel Phoenix wieder aufsteigen und eine Regierungsmehrheit erringen könne, sei mithin schwer absehbar. Und es sei auch gut möglich, dass sich in dieser zerklüfteten Landschaft keine stabilen Mehrheitsverhältnisse herauskristallisieren würden und dem Land politischer Stau und Instabilität drohten, sodass Macron die Nationalversammlung früher oder später wieder auflösen müsste.

Berner Zeitung: „Klarer Sieg, schwache Position für Macron“:

Der junge Strahlemann sei kein strahlender Wahlsieger. Macron habe nicht nur ein vages Programm, sondern auch eine schmale politische Unterstützung. Er starte damit aus einer eher schwachen Position. Dabei müsste gerade der Jungpräsident beherzt zupacken können, um alte Widerstände zu überwinden und das Land wirklich zu reformieren. Davon hänge die Zukunft Europas ab. Scheitere Macron hingehen, werde Le Pen weiter punkten.

 

 

Litauen

Julia Wanninger

Medium Orientierung  Inhalte zur Wahl
Lietuvos Rytas

(dt. litauischer Morgen)

eher liberal

 

 

„Französische Präsidentschaftswahl – deutlicher Sieg“

„ Politologe: Was von Emmanuel Macron und seinem Frankreich zu erwarten ist“

„Der den Sieg errungene Emmanuel Macron wird jüngster französischer Präsident“

„Fünf Gründe, warum Emmanuel Macron die Präsidentschaftswahl gewonnen hat“

Kauno Diena

(dt. Tag von Kaunas)

größte Regionalzeitung, seit 1945 (Kaunas war in  der Zwischenkriegszeit Litauens Hauptstadt)

 

„Was bedeutet Emmanuel Macrons Sieg für Litauen?“
Respublika eher rechts der Mitte

 

Litauens führendes Zeitungshaus, im September 1989 Sprachrohr der Unabhängigkeitsbewegung

„Was wir über den neugewählten französischen Präsidenten wissen“

„Inwiefern ist Macrons Sieg für uns wichtig“

 

Lietuvos Zinios

(dt. Litauens Nachrichten)

sozialdemokratisch

 

älteste Tageszeitung  seit 1909

„Er wird der jüngste französische Präsident aller Zeiten“

Artikel vom 7.5. „Frankreichs und Europas Zukunft hängt am seidenen Faden“

Veidas

(dt. Gesicht)

Mitte-rechts

 

seit Oktober 1992

Artikel vom 26.4. „Worin stimmen Frankreichs Linke und Rechte überein?“

Artikel vom 28.4. „Übersicht der französischen Präsidentschaftswahl“

 

Delfi.lt  

 

gehört dem estnischen Medienkonzern Ekspress Group

„Fünf Gründe, warum Macron gewonnen hat“

„Macron triumphiert mit großer Stimmenmehrheit“

15min.lt Gratiszeitung seit 2005, norwegischer Medienkonzern „Putin fordert Macron auf, das gegenseitige Misstrauen aufzugeben und ‚Kräfte zusammenzutun‘“

 

 

Israel

Marc Frings


Yedioth Anronoth: Kommentar von Itamar Eichner

Der Sieg Emmanuel Macrons, so sieht es Ynet, habe das Potenzial, die israelisch-französischen Beziehungen zu verändern, nachdem das Verhältnis unter dem amtierenden Präsidenten Hollande einen Tiefpunkt erreicht habe. Macron gilt als Gegner von BDS, einer Bewegung, die mittels Boykott und Sanktionen Israel international in Misskredit bringen wolle. Dies hätte er bereits in seiner Zeit als Wirtschaftsminister kundgetan. Zudem habe er bereits deutlich gemacht, im Gegensatz zu Hollande keine einseitige Anerkennung eines palästinensischen Staates  in Erwägung zu ziehen. Obgleich gelte er als Unterstützer einer Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt. Entsprechend wird auch der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu zitiert, der Paris und Jerusalem vor denselben Herausforderungen gestellt sieht.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Israelis mit französischen Pässen mehrheitlich die Kandidatin des Front National, Marine le Pen, ablehnten. Als engster Verbündeter im israelischen Parteiensystem macht ynet Yair Lapid von der Partei Yesh Atid aus. Lapid zeigte sich entsprechend erfreut. Ynet blickt kritisch auf die Ära Hollande zurück, in der Paris einseitige Bemühungen gestartet habe, um den Friedensprozess im Nahen Osten einseitig wiederzubeleben. Ynet erinnert schließlich daran, dass Macron über keine Partei verfügt und die Wahlen zur Nationalversammlung die nächste Herausforderung für ihn darstellten.

Jerusalem Post: Kommentar von Tovah Lazaroff

Israelis zeigten sich erleichtert, dass Macron als Sieger aus den Präsidentschaftswahlen hervorgegangen ist. Seit Napoleon gab es keinen so jungen Staatspräsidenten in Frankreich. Politiker aus allen Parteien werden zitiert, die sich über den Wahlausgang freuen, darunter Premier Netanjahu, die stv. Außenministerin Tzipi Hotovely und die Knesset-Abgeordnete Shelly Yachimovich von der Arbeiterpartei. Konsens besteht in der israelischen Politik nicht nur darüber, dass der bessere Kandidat gewonnen hat: man hoffe auch, dass Macron moderatere Töne im israelisch-palästinensischen Konflikt findet. Drohungen einer einseitigen Anerkennung Palästinas wird es künftig hoffentlich nicht mehr geben, so der Tenor.

HaAretz: Kommentar von Chemi Shalev

Die linksliberale HaAretz berichtet am ausführlichsten von allen Zeitungen. Neben Kommentaren finden sich auch eine ausführliche Berichterstattung über den Wahltag in Frankreich und – soweit schon vorhanden – Reaktionen aus anderen Ländern.

HaAretz zeigt sich erleichtert, dass mit dem Sieg von Emmanuel Macron ein Signal gegen Brexit, Trump, Erdogan und Putin gesetzt werde: Im Kommentar wird zu Champagner und Bordeaux geraten, um auf diesen Sieg anzustoßen: „Vive la France“, wird gejubelt. Obgleich der Sieg Macrons nicht so überwältigend ausfiel wie 2002, als Jacques Chirac in der Stichwahl gegen Le Pens Jean Marie antrat, zeigt man sich erstaunt, dass das Abschneiden Macrons über den Erwartungen der letzten Umfragen lag. Während mit Politikern wie Donald Trump, Tayip Erdogan und Vladimir Putin Vorurteile, Hass und Demogogie Zuspruch erhielten, könne Macron mit seinem Sieg diese Tendenzen stoppen: ein Signal für alle, die Demokratie verteidigen und lieben. Es sei zu hoffen, so HaAretz, dass mit Macron der weitere Dominoeffekt, der mit dem Brexit-Votum in Europa einsetzte, ins Gegenteil verwandelt wird: Liberal denkende Bürger werden sich nun hoffentlich nicht mehr in der Minderheit fühlen. Der Kommentar bleibt realitätsnah: ein Kampf ist gewonnen, indes ist der Krieg noch nicht beendet. Dies gelte auch für die französische Innenpolitik: Macron müsse es nun gelingen, Gräben zwischen Jungen und Alten, zwischen Christen und Muslimen, zwischen Farbigen und Weißen zu schließen. Wenn es ihm nicht gelingt, soziale und wirtschaftliche Veränderungen herbeizuführen, sei die Atempause nur von kurzer Dauer. Verfechter freiheitlicher Werte sollten von dem Sieg Macrons inspiriert werden, insbesondere in Israel und den Vereinigten Staaten. Denn er zeige, dass die Welt noch nicht ganz irre geworden ist und dass ein richtiger Kandidat mit der richtigen Botschaft einen Unterschied machen kann. Mit dem neuen Präsidenten wird zugleich ein Generationenwechsel eingeleitet: Macron, erst 39 Jahre alt, kann nun zeigen, dass die junge Generation besser ist als die alte.

 

Palästinensische Gebiete

Marc Frings

Auch in den palästinensischen Medien herrscht Konsens darüber, dass der richtige Kandidat gewonnen hat.

Al-Quds

Die Franzosen hätten sich für eine „Europäische Zukunft entschieden. Seine ersten Gehversuche werde Macron in einer chaotischen Weltordnung absolvieren müssen: zwar fehle ihm, so die Einschätzung von Al-Quds, die Erfahrung auf dem internationalen Parkett. Indes steht ihm die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei, die ihn unterstützt. Bereits während des Wahlkampfs hatten sich beide Politiker getroffen. Al-Quds verweist auf einen vollen Terminkalender des neuen Staatschefs: mit dem NATO-Gipfel am 25. Mai in Brüssel und den G7- und G20-Treffen in den kommenden Monaten werde Macron schon bald international sichtbar sein.

Al-Ayyam

Al-Ayyam weiß bereits, dass Präsident Mahmud Abbas dem Wahlgewinner gratuliert hat. Bundeskanzlerin Merkel, EU-Kommissionspräsident Juncker und die britische Premierministerin May gehörten zu den ersten, die Macron beglückwünschten.

 

Emmanuelle Bautista
Emmanuelle Bautista
Emmanuelle Bautista ist juristische Beraterin bei der Ständigen Vertretung Frankreichs bei der WTO. Sie hat 2013 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Céline-Agathe Caro
Céline-Agathe Caro
Dr. Céline-Agathe Caro ist Senior Policy Analyst im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington. Sie hat 2009 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Ulrike Franke
Ulrike Franke
Ulrike Franke arbeitet beim European Council on Foreign Relations (ECFR) in London und promoviert in Oxford. Sie hat 2015 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen. Twitter: @rikefranke
Marc Frings
Marc Frings
Marc Frings leitet das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah. Er hat 2010 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Philipp Nießen
Philipp Nießen
Philipp Nießen ist zurzeit im Rahmen des Alfa Fellowship Programs in Moskau und hat 2016 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Julia Wanninger
Julia Wanninger
Julia Wanninger ist Büroleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Abgeordneten im Europäischen Parlament und hat 2008 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen. Der Text gibt allein ihre persönliche Meinung wieder.

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