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#Présidentielle 2017 – Die Twitter-Debatte zwischen den Wahlgängen

Ob sie durch #AVoté verkündeten, soeben an der Wahlurne ihre Stimme abgegeben zu haben, das Ende Frankreichs mit einer #FranceIsOverparty beschworen, da ihnen das aktuelle Ergebnis der Auszählungen missfiel oder sie sich allgemein für oder gegen einen Kandidaten aussprachen – am Tag des ersten Wahlganges veröffentlichten, teilten und kommentierten die NutzerInnen von Twitter bereits eine Menge.
Als das Ergebnis feststand, riefen Benoît Hamon und Francois Fillon ihre Anhänger auch über Twitter dazu auf, in der Stichwahl für Emmanuel Macron zu stimmen. Bei Jean-Luc Mélenchon, der nach Marine Le Pen mit über einer Million Abonnenten als Kandidat die zweitgrößte Follower-Anzahl hat, war dies bekanntlich nicht der Fall. Er gab keine klare Wahlempfehlung ab. Stattdessen rufen die „NiNis“ unter dem #sansMoiLe7Mai zur Wahlenthaltung auf, was Macron schwächen und Le Pen stärken würde.
Den Höhepunkt der Twitter-Debatte zwischen den Wahlgängen bildete aber wohl das TV-Duell zwischen den beiden Kandidaten am Mittwochabend.

Angriff contra Fakten

Wer sich bei dem letzten TV-Duell zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron jedoch eine klare, inhaltliche Debatte gewünscht hatte, der wurde enttäuscht. Während Macron versuchte, die Fragen der Moderatoren zu beantworten und dabei erneut sein Programm vorzustellen, konterte Marine Le Pen stets mit Angriffen auf ihren Gegner. Eine Nutzerin fasste dies sehr treffend mit den Worten zusammen: Macron spricht über Frankreich, Le Pen spricht über Macron.

Einer Präsidentin unwürdig

Zu den vielen verbalen Attacken gesellte sich eine teils unkontrolliert wirkende Gestik und Mimik, die auch in der Netzgemeinde für Aufsehen sorgte. In einem der meist geteilten Ausschnitte des TV-Duells gestikuliert Le Pen wild herum. Für viele eine Steilvorlage, um sie einerseits persönlich anzugreifen, u.a. als unreifes Kleinkind zu bezeichnen, oder aber als unwürdig für das Präsidentenamt einzustufen.


Genau dieses Verhalten nahmen viele als Anlass, um erneut gegen die Wahl Le Pens aufzurufen. Das Unverständnis, wie es die Kandidatin des Front National überhaupt in die Stichwahl schaffen konnte, zeigt sich in vielen Tweets. Es gibt die Hoffnung, dass den FN-Wählern nunmehr die Augen geöffnet wurden.

Wo sind die Moderatoren?

Die Debatte schien in vielen dieser Momente teilweise vollkommen aus dem Ruder zu laufen. Während sich die Kandidaten einen offenen Schlagabtausch lieferten, hatten die Moderatoren nur selten die Gelegenheit, einen vollständigen Satz zu formulieren oder ein neues Thema in die Diskussion einzubringen. Das zeigt erneut, wie aufgeladen und aggressiv das TV-Duell geführt wurde. Viele, die der hitzigen Diskussion dann nicht mehr folgen wollten, zeigten deshalb Verständnis für die beiden Journalisten oder gaben Suchmeldungen heraus:

Weitere Abwesende des Duells

Keine Suchmeldung, dafür aber den Wunsch nach Themen, die die Zukunft bewegen, äußerten vor allem Anhänger von Jean-Luc Mélenchon. In den zweieinhalb Stunden des TV-Duells sprachen weder Macron noch Le Pen über die Themen Ökologie und Klimawandel. Aus diesem Grund wünschten sich einige, dass Mélenchon, wie schon im Wahlkampf, als Hologramm im TV-Studio erscheinen möge, um dies zur Sprache zu bringen. Unter dem #RendezNousMelenchon forderten sie, dass diese Themen aufgegriffen werden sollten und zeigten damit erneut, dass ihnen keiner der Kandidaten in der Stichwahl wirklich zusagt.

Le Pen konnte auch überzeugen

Die Tendenz zur Wahlenthaltung am Sonntag ist gefährlich, da sie den Front National in jedem Fall stärken würde. Es bleibt daher wirklich nur zu hoffen, dass sich viele, die ursprünglich am Sonntag für Le Pen stimmen wollten, durch das TV-Duell noch einmal eines Besseren belehrt wurden. Denn dann hätte dieser Schlagabtausch wenigstens doch noch einen positiven Effekt: Inhaltlich hat Le Pen kaum etwas hervorgebracht, dafür konnte sie aber zumindest diese Twitter-Nutzerin der „NiNis“ überzeugen, am Sonntag doch zur Wahl zu gehen – um gegen sie zu stimmen, damit man während des Wahlgangs erneut #AVote lesen kann. Dann heißt es hoffentlich gegen 21 Uhr (nicht nur) auf Twitter: #MacronPresident.

Pascal Goddemeier
Pascal Goddemeier
Pascal Goddemeier ist Projektassistent im Programm Frankreich/deutsch-französische Beziehungen der DGAP und zuständig für den Deutsch-französischen Zukunftsdialog.

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