Macron and Le Pen in the Presidential Run-Off
24. April 2017
Emmanuel Macron vs. Marine Le Pen
25. April 2017

Auslandspresseschau nach dem ersten Wahlgang

Foto: Harshil Shah, 20.08.2007, CC BY-ND 2.0/Quelle: flickr

Macron und Le Pen in der Stichwahl beschäftigen die Weltpresse. Einige Autor*innen des Blogs, die im Ausland arbeiten, haben einen Blick in die Presse ihres Aufenthaltslandes geworfen.

USA

Dr. Céline-Agathe Caro

Historische Ablehnung der traditionellen Parteien und Rückschlag für das Establishment; tiefe Spaltung in der Wählerschaft; Europa und die Globalisierung im Zentrum des zweiten Wahlgangs; entscheidende Wahl für die Zukunft der EU und Frankreichs Rolle in der Welt; Steigerung des Euros; schwieriges Regieren in Sicht – hier sind die wichtigsten Themen, die nach dem ersten Wahlgang in der US-Presse diskutiert werden.

Washington Post

Right-wing Le Pen claims victory alongside centrist Macron for French presidential runoff, with E.U. future at stake

New York Times – Editorial:

Emmanuel Macron Mounts a Patriot’s Challenge to Marine Le Pen

Wall Street Journal

French Presidential Runoff Heralds New Political Era

Los Angeles Times

Macron and Le Pen are now in a battle for the soul of France

USA Today

Far-right Le Pen, centrist Macron advance to French presidential runoff

Chicago Tribune – mit Associated Press

Macron, Le Pen advance to French presidential runoff with EU future at stake

 

Russland

Philipp Nießen

Rossijskaja Gaseta

Die regierungsnahe Zeitung  führt die französischen Präsidentschaftswahlen auf dem heutigen Titel, berichtet allerdings nicht über das Wahlergebnis, welches bei Redaktionsschluss der Printausgabe wohl noch nicht bekannt war. Die Zwischenstände der Wahlbeteiligung enthält der Artikel allerdings. Der Beitrag auf der heutigen Titelseite schreibt vom „Champs-Élysées Syndrom“ („Синдром Елисейских полей“ , https://cdnimg.rg.ru/pril/fascicle/3/40/12/34012-1492974109.pdf) und berichtet, dass die Wahl unter dem Eindruck des allgegenwärtigen Terrorismus in einer angespannten Lage stattfindet.

Online findet sich als Aufmacher zur gestrigen Wahl der Titel „Politische Elite Frankreichs und Europas unterstützt Macron“ („Макрона поддержал политический бомонд Франции и Европы“, https://rg.ru/2017/04/24/makrona-podderzhal-politicheskij-bomond-francii-i-evropy.html) und benutzt dabei das französische Wort „Beau Monde“ (бомонд) als Wortspiel. Weiterhin heißt es im Text, dass Macron mit dem „amerikanischen Großkapital“ verbunden sei.

Kommersant

Die meistgelesene Wirtschaftszeitung des Landes behandelt die Wahlen als Aufmacher ihrer Printausgabe und titelt „Das letzte Rennen der Euroskeptiker“ („Финал конкурса евроскептиков“, http://www.kommersant.ru/daily/102914, Link auf Titelseite).

Novaya Gaseta

Die als oppositionell wahrgenommene Zeitung schreibt „Emmanuel Macron, Frankreich konnte nichts besseres mehr bekommen“ („Эмманюэль Макрон. Ничего лучше Франция получить не могла“, https://www.novayagazeta.ru/articles/2017/04/24/72262-emmanyuel-makron-nichego-luchshe-frantsiya-poluchit-ne-mogla) im Aufmacher ihrer Online-Ausgabe. In der Printausgabe der kleineren Zeitschrift erschien das Wahlergebnis heute noch nicht.

 

Großbritannien

Ulrike Franke

Großbritanniens große Tageszeitungen sehen das Wahlergebnis ganz im Mythos der französischen Revolution; Marine Le Pen habe die traditionellen Parteien an die Wand gespielt; Boulevardzeitung Sun räumt dem Ergebnis kaum Platz auf der Titelseite ein; manche Tabloids berichten gar nicht.

Belgien

Julia Wanninger

 

Medium Orientierung  Inhalte zur Wahl
La Libre Belgique eher rechts, katholisch – 17 Seiten (!) zur Wahl

– Titelseite „Emmanuel Macron grand favori face à Marine Le Pen“

– Editorial: „Une chance pour la France“

– „Un résultat qui acte la recomposition du paysage politique français“

– „Emmanuel Macron, itinéraire d’un jeune très doué“

– „Marine Le Pen, celle qui cherche à dédiaboliser l’extrême droite“

– „La victoire des hors système“

– „Le système perdant du premier tour“

Le Soir eher links – 10 Seiten zur Wahl

– Titelseite „En marche vers l’Elysée“

– „Emmanuel Macron se pose en rassembleur“

– „L’emprise grandissante du FN“

– „Les Républicains craignent l’éclatement“

– „Macron pourra plus facilement élargir son  électorat“

– „Marine Le Pen se profile déjà pour 2022“

– „Sauve qui peut la gauche sociale et social-démocrate“

LʼEcho Wirtschaftszeitung Emmanuel Macron devient le grand favori pour s’installer à l’Elysée. Mais la course n’est pas gagnée.

Emmanuel Macron devient le grand favori pour s’installer à l’Elysée. Mais la course n’est pas gagnée.

Emmanuel Macron devient le grand favori pour s’installer à l’Elysée. Mais la course n’est pas gagnée.

– „Emmanuel Macron devient le grand favori pour s’installer à l’Élysée. Mais la course n’est pas gagnée“

Le Vif rechts Ausgabe vom 21.-27.4.

– Titel: „La France des extrêmes. Pourquoi l’Hexagone peut basculer“

Lʼavenir Mitte, mehr Leser außerhalb der großen Städte „Un duel Macron-Le Pen“

 

Sudpresse meist gelesene Zeitung, volksnah – „Présidentielle française: ,Macron est un des rares candidats qui a parlé de l’Union européenneʻ selon Didier Reynders » (Anm. d. Red.: belg. Außenminister)

– „Marine Le Pen: ,Le vieux front républicain tout pourri essaie de se coaliser autour de Macronʻ“

– „Présidentielle française: le Kremlin respecte les résultats du 1er tour en France“

De Standaard Mitte bis Mitte-links, urspr. katholisch. Heute Qualitätszeitung, die von flämischen Intellektuelle von Links bis Rechts gelesen wird

 

– Titel „Macron auf dem Weg in den Elysée.

Franzosen haben am 7.5. die Wahl zwischen einer pro-europäischen oder einer nationalistischen Zukunft“

– „Republikanische Front gegen Le Pen“

– „Auch in Frankreich stirbt das traditionelle Rot. PS von Benoît Hamon wird zur Zwergpartei“

– „Splitterpartei schaut um die Ecke. Die Niederlage der Republikaner stand in den Sternen geschrieben“

– „James Joyce‘ (Anm. d. Red.: ein Pub im Brüsseler Europaviertel) jubelt für Macron“

En Marche ist populärste französische Bewegung in Belgien.

Het Laatste Nieuws Mitte-rechts, Tendenz hin zur liberalen Partei. Leser sind die „Normalbürger“, leicht populistischer Touch. Größte Zeitung in Flandern, viel Sport, weniger Politik, noch weniger Außenpolitik. Dennoch einflussreich, da große Leserschaft. „Wird Marine Le Pen wirklich die neue Präsidentin Frankreichs?“
De Morgen Mitte-links, bis in die 90er sozialistisch. Heute eher kritisch gegenüber Sozialdemokraten, aber Grünen-freundlich. – Titel „Front gegen Le Pen“

– „Das Überleben von Frankreich steht auf dem Spiel“

– „Mit Macron hin zu einem neuen politischen Konsens?“ (These: an der politischen Konsenskultur Belgiens oder der Niederlande mangele es Frankreich völlig)

 

Financieel Economische Tijd Wirtschaftszeitung, Qualitätszeitung mit guten politischen Analysen, oft kritisch gegenüber klassischen Wirtschaftsinteressen, progressive Ansichten. – „Emmanuel Macron, der 50-Milliarden-Mann“

– „Franzosen werfen die klassische Politik über Bord“

 

 

 

Schweiz

Emmanuelle Bautista

Le Temps

Macrons Rechnung ist aufgegangen. Le Pen ist die Zweitplatzierte. Fillon erleidet Schiffbruch. Der historische Charakter dieser Wahl wurde bestätigt: Die französische politische Landschaft ist jetzt zersplittert; Frankreich ist gespalten. Die Konservativen und die Sozialisten, die beiden traditionellen Parteien, sind gescheitert. François Fillon hat wegen der Skandale um seine Person verloren. Die französische Linke soll sich nun mit Mélenchon neu aufstellen. Die extreme Rechte hat sich klar im Land etabliert.

Frankreich hat für eine echte Veränderung gewählt. Diese Wahl wird das Land stark und auf Dauer verändern. Es zeigt, dass das politische Modell der V. Republik zerbrochen ist: Es herrscht Ärger gegen die traditionellen Parteien und Korruption; der Wille ist stark, etwas anderes zu wagen und zu versuchen. Die finale Entscheidung wird das Land und die Welt verändern.

Macron hat jetzt zwei Wochen, um Präsident zu werden. Le Temps stellt seine Herausforderungen vor: Frankreich zu vereinen, ohne seine politische Unabhängigkeit zu verlieren; gleichzeitig für die Präsidentschaft und für die Parlamentswahlen zu kämpfen. Zugleich muss die Realität des FN berücksichtigt werden. Es wird kein leichter Kampf.

Tribune de Genève

Das Ergebnis ist ein Erdbeben für Fillon. Die Skandale waren für ihn fatal. Mélenchon ist jetzt die zentrale Figur der Linken. Seine Kampagne war beeindruckend. Diese Wahl war wie ein Theaterstück. Kein Sarkozy, kein Juppé, kein Valls. Echte inhaltliche Debatten fanden wegen der Skandale um Fillon nicht statt. Macron, der vor zwei Jahren noch unbekannt war, ist wie ein UFO. Das Ergebnis ist eine Ohrfeige für Hamon, dessen Partei PS hat für die Politik von Hollande und auch für die Blockade durch die „Frondeurs“ bezahlt hat. Sein wichtiger Vorschlag, das bedingungslose Grundeinkommen, konnte auch von linken Wählern nicht verstanden werden.

Berner Zeitung

Die zweite Runde wird ein Duell der Gegensätze. Sicher ist nur, dass die Fünfte Republik von De Gaulle in ihren Grundfesten erschüttert ist.

NZZ

„Der Nette und das Biest“: Die Präsidentenwahl in Frankreich wird zum Plebiszit über die Europäische Union. Le Pen ist eine Frau des klaren Profils, Macron ist ein Mann eher diffuser Positionen, er steht irgendwo und nirgendwo. Die klassischen Parteien haben verloren. Es ist auch die Niederlage für zehn Jahre Stillstand unter Sarkozy und Hollande. Auf einen „Front Républicain“, der den Sieg Marine Le Pens verhindert, ist aber kein Verlass.

 

Litauen

Julia Wanninger

Medium Orientierung   Inhalte zur Wahl
Lietuvos Rytas

(dt. litauischer Morgen)

eher liberal

 

 

-„Einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl feiern Marine Le Pen und Emmanuel Macron“

-„Europas Politiker beglückwünschen Emmanuel Macron und sind besorgt wegen Marine Le Pen“

Kauno Diena

(dt. Tag von Kaunas)

größte Regionalzeitung, seit 1945 (Kaunas war in  der Zwischenkriegszeit Litauens Hauptstadt)

 

-„Um den Posten des französischen Präsidenten werden Macron und Le Pen kämpfen“

-„Experten: Macron wäre der für Litauen beste Präsident Frankreichs“

Respublika eher rechts der Mitte

 

Litauens führendes Zeitungshaus, im September 1989 Sprachrohr der Unabhängigkeitsbewegung

-„Europas Politiker beglückwünschen Emmanuel Macron und sind besorgt wegen Marine Le Pen“

-„Macron und Le Pen freuen sich über einen Sieg im ersten Wahlgang“

Lietuvos Zinios

(dt. Litauens Nachrichten)

sozialdemokratisch

 

älteste Tageszeitung  seit 1909

-„E. Macron gewinnt im ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl“
Veidas

(dt. Gesicht)

Mitte-rechts

 

seit Oktober 1992

-Artikel vom 23.4. „Die (Aus-)Wahl der Franzosen: Wie wird das neue europäische Eintopfgericht aussehen?“

 

-Wiedergabe des Chapeau:

„Für die französische ‚Ratatouille‘ verspricht Marine Le Pen eine Handvoll scharfer Gewürze ‚nach Belieben‘. Emmanuel Macron würde alles nach bewährtem Rezept und den besten europäischen Eintopftraditionen zubereiten. Doch die Franzosen schwanken immer noch und suchen ungewohnte Geschmackserfahrungen, die sowohl der linksradikale Vertreter Jean-Luc Mélenchon als auch François Fillon bereiten können, von den letzterer ein zweites Aufbacken bekommt und tapfer neben dem Wahltopf stehen bleibt.“

 

Delfi.lt gehört dem estnischen Medienkonzern Ekspress Group -„Nun ist es offiziell: Im zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl werden Macron und Le Pen gegeneinander antreten“
15min.lt Gratiszeitung seit 2005, norwegischer Medienkonzern -„Historische Präsidentschaftswahl in Frankreich: Macron und Le Pen im zweiten Wahlgang“

-„Frankreichs Parteien einigen sich gegen Marine Le Pen: ‚Jetzt ist es schrecklich ernst‘“

 

Israel

Marc Frings

Maariv

(bewegt sich im politischen Zentrum, kritisch gegenüber Netanjahus Regierung)

Macron oder Le Pen: Zum ersten Mal Sturz der traditionellen Parteien. Der unabhängige Zentrumskandidat Macron wird gegen die Vertreterin der extremen Rechten antreten. Es war eine historische Abstimmung. Die Chancen Macrons steigen, der nächste Präsident zu werden. Schon gestern habe sich abgezeichnet, dass sich die Republikaner gegen Le Pen vereinen werden. Die Terrorgefahr hat die Franzosen nicht von der Wahl abgehalten. Die Sicherheitssituation blieb über den Tag hinweg angespannt, fünf Wahllokale wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Maariv berichtet auch über die Abstimmung in Israel: „Alle Kandidaten hassen uns, einige etwas weniger“: Die Wahlen haben auch in Israel Tausende Israelis mit französischem Pass mobilisiert. Der Artikel lässt Wähler zu Wort kommen, die erklären, in erster Linie gegen Le Pen stimmen zu wollen. Einer von drei befragten Wählern deutet jedoch an, dass die Einwanderung nach Frankreich das größte Problem sei und dass Le Pen „nicht so antisemitisch [sei], wie man sagt“.

Online: „Le Pen wird nicht aufgeben: Freut sich das Wunderkind Macron zu früh?“: Wahlvorhersagen waren korrekt, es war ein knapper Ausgang. Keine der beiden großen Parteien ist vertreten, beide Kandidaten repräsentieren keine parlamentarische signifikante Gruppe. Macron werde voraussichtlich das Rennen machen, fast alle unterlegenen Kandiaten hätten sich für ihn ausgesprochen. Le Pen gibt sich dennoch zuversichtlich und kann wohl bis mit bis zu 40 Prozent in der zweiten Runde rechnen, ganz anders noch als ihr Vater 2002. Macron fühle sich schon beinahe als Präsident, verspreche neue Gesichter in seinem Team und spreche sich für Europa aus, was ihm international unter anderem von Merkel Zuspruch bringe.

Yedioth Ahronoth

(bewegt sich im Zentrum, sehr kritisch gegenüber Netanjahu)

Online: „Das französische Dilemma: Obama 2.0 oder die Tochter eines Holocaustleugners“: Der Artikel fragt, ob ein junger Politiker ohne signifikante Erfahrung den großen nationalen und internationalen Herausforderungen gewachsen sei. Diese Frage würden sich die Wähler stellen, wenn sie sich für Macron entscheiden müssen. Frankreichs Juden hätten keine andere Wahl als für den „Zwilling“ Obamas zu stimmen, der gegen die Rechtsaußenkandidatin Le Pen mit ihrem rückwärtsgewandten Wahlprogramm antrete. Der Autor warnt ausdrücklich vor Le Pen und hofft, dass alle französischen Juden sich dem demokratischen Lager anschließen. Der Autor drückt auch die Hoffnung aus, dass Frankreich unter Macron seine Position gegenüber Israel andern würde. Er sieht hierfür allerdings Grund zur Skepsis, da Macron bereits Kontakte zu Personen pflege, die anti-israelisch eingestellt seien.

Haaretz

(linksliberal)

Online: „Sieg der Abscheu: Macron und Le Pen sind das klare Ergebnis der Abscheu gegenüber der bekannten Politik“: Beide Kandidaten verträten nicht das Establishment und ihre Popularität reihe sich in den Sieg Donald Trumps und den Brexit ein. Die beiden Kandidaten böten dennoch unterschiedliche Strategien an. Bei der zweiten Runde handele es sich nun um eine klare moralische Abstimmung: zwischen den Werten der Republik und zwischen denen, die sie zu zerstören gedenken. Bezüglich Letzterem wird unter anderem Le Pens Bemerkung erwähnt, Frankreich sei nicht an der Judenverfolgung beteiligt gewesen. Sollte Le Pen gewählt werden, würde dies auch für die EU eine große Herausvorderung werden. Faktoren, die Le Pen noch helfen könnten, seien die angespannte Sicherheitslage und eine niedrige Wahlbeteiligung.

Online: „Der Erfolg Macrons bei den Wahlen: Frankreich hat einen Messias gefunden“: Der charismatische Macron wird als derjenige angesehen, der ein „nationalistisches Monster“ gestoppt habe. Wird er den hohen Erwartungen allerdings nicht gerecht werden können, werde er sich möglicherweise als „falscher Messias“ entpuppen.

Online: „Die zweite Runde: Frankreich wählt zwischen Cholera und dem Instagram-Kandidaten“: Zynischer Artikel, der die Makel beider Kandidaten betont. Marine Le Pen mit ihrem rückwärtsgewandten Programm habe bewiesen, dass keine Demokratie immun gegenüber Populismus sei. Gegen sie kandidiert der „Teflonkandidat“ Macron, der keine greifbaren Werte mitbringt, aber gut auf Fotos aussieht.

Online: „Der Sieg Macrons in der ersten Runde gibt einen Funken Hoffnung, dass Extremismus nicht ansteckend ist“: Frankreichs Wähler hätten sich klar gegen das politische Establishment gestellt. In den nächsten beiden Wochen werde der gemäßigte Kandidat Macron den Bürgern Europas beweisen müssen, dass man ihm vertrauen kann. Es sei jedoch ein Fehler anzunehmen, Macron sei bereits Präsident. Nicht nur ein Terroranschlag, auch Wählerwanderungen von Fillon und Mélenchon zu Le Pen könnten ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Israel Hayom

(rechts von der Mitte, Zeitung ist als sehr pro-Netanjahu bekannt)

„Frankreich: Macron und Le Pen in der zweiten Runde“: Ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag ein Erfolg der Rechtsaußenkandidatin.

„Französische Revolution Nr. 2“: Etwas habe sich in der Fünften Republik geändert: Zwei Kandidaten, die nicht aus dem politischen Establishment stammten, hätten die zweite Runde erreicht. Macron sei das Wunderkind der französischen Politik, Le Pen die Führungsfigur der antisemitischen und populistischen Rechten. Nach ihrem Vater habe auch Marine Le Pen diese Hürde genommen. Anders als beim letzten Mal habe dies keine Verwunderung ausgelöst, sie werde als legitime politische Akteurin betrachtet. Frankreich schäme sich nicht mehr vor der Rechten. Dunkle Aussicht am Holocaust-Gedenktag.

Über Macron: Wähler hätten sich nicht für die beiden traditionellen Volksparteien entschieden, aber dennoch einen Kandidaten mit politischer Erfahrung bevorzugt. Er habe es während der Kampagne geschafft, verschiedene Lager anzusprechen, auf der rechten und der linken Seite des Spektrums. Auch die moderate Rechte werde sich nun wohl um ihn sammeln, um Le Pen zu verhindern.

„Lange Reihen vor den Wahlurnen in Israel: Man sorgt sich um die Familie“: Tausende Israelis mit französischem Pass haben sich zu den 14 Wahlstationen in Israel begeben. In der französischen Botschaft schätzt man eine Beteiligung von rund 7000 Wählern. Wähler berichten, dass es bei den letzten Wahlen deutlich weniger Andrang gab. Als Ursache wird die Sorge um einen Erfolg des Front National angegeben. Ein Wähler berichtet: „Passanten haben uns im Spaß zugerufen, wir sollen für Le Pen wählen, damit alle Juden nach Israel kommen.“

 

Palästinensische Gebiete

Marc Frings

Al-Ayyam

(unabhängig, gilt aber gemeinhin als regierungsnah/Fatah-treu)

Titelseite: Macron und Le Pen gewinnen in der ersten Runde und stehen somit als Kandidaten für den zweiten Wahlgang fest. Es wird betont, dass die politische Rechte erstmals seit 1958 nicht im zweiten Wahlgang vertreten sein wird. Es wird darauf hingewiesen, dass sowohl die meisten unterlegenen Kandidaten als auch Präsident Hollande eine Wahlempfehlung zugunsten von Macron abgegeben haben.

Al-Quds

(erscheint in London, betont seine Unabhängigkeit von der PLO)

Das französische Volk hat sich für einen neuen Weg entschieden, indem die zwei wichtigsten Parteien im ersten Wahlgang unterlegen waren. Macron wird als Unterstützer Europas bezeichnet. Er wird mit den Worten zitiert, dass seine Bewegung inklusive Prinzipien vertrete. Damit wolle man auch bei den Parlamentswahlen erfolgreich sein. Al-Quds weist auf Umfragen hin, die Macron im zweiten Wahlgang vorne sehen. Die Wahlen werden als historisch bezeichnet, denn schon in den Vorwahlen seien Sarkozy, Juppé und Valls gescheitert, während Hollande gar nicht erst angetreten sei. Die Zeitung erinnert an die Terrorangriffe, die Frankreich seit 2015 erschüttert haben, Korruptionsskandale und den Vorteil Le Pens durch den Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen.

 

 

 

 

Emmanuelle Bautista
Emmanuelle Bautista
Emmanuelle Bautista ist juristische Beraterin bei der Ständigen Vertretung Frankreichs bei der WTO. Sie hat 2013 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Céline-Agathe Caro
Céline-Agathe Caro
Dr. Céline-Agathe Caro ist Senior Policy Analyst im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington. Sie hat 2009 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Ulrike Franke
Ulrike Franke
Ulrike Franke arbeitet beim European Council on Foreign Relations (ECFR) in London und promoviert in Oxford. Sie hat 2015 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen. Twitter: @rikefranke
Marc Frings
Marc Frings
Marc Frings leitet das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah. Er hat 2010 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Philipp Nießen
Philipp Nießen
Philipp Nießen ist zurzeit im Rahmen des Alfa Fellowship Programs in Moskau und hat 2016 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.
Julia Wanninger
Julia Wanninger
Julia Wanninger ist Büroleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Abgeordneten im Europäischen Parlament und hat 2008 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen. Der Text gibt allein ihre persönliche Meinung wieder.

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