Die französische Präsidentschaftswahl 2017 und die Zukunft der Eurozone
13. April 2017
Ein Wahlkampf ohne Jugendarbeitslosigkeit: Die vergessene Generation?
18. April 2017

Skandale um Präsidentschaftskandidaten

Eine lange Tradition in Frankreich

Bei jeder Präsidentschaftswahl kamen in Frankreich bislang zahlreiche Gerüchte und Skandale auf, die das politische Leben in den Schmutz zogen. François Fillon und Marine Le Pen stehen also nicht allein da.

Ein Blick auf vergangene Skandale

Pompidou

Georges Pompidou trat 1969 als potenzieller Nachfolger von de Gaulle an. Er sah sich und seine Frau mit der „Markovic-Affäre“ konfrontiert. Frau Pompidou hätte an Sexpartys teilgenommen, hieß es … Es war eine düstere Intrige, die Pompidou jedoch nicht daran hinderte, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. In seiner Amtszeit veröffentlichte das Satireblatt „Le Canard Enchaîné“ 1971 den Steuerbescheid des Premierministers, Chaban Delmas. Obwohl dieser vermögend war, zahlte er nur wenig Steuern. Diese Enthüllung schwächte seine Kandidatur, als Pompidou 1974 starb. Valéry Giscard d’Estaing konnte die Wahl für sich entscheiden.

Giscard d’Estaing

Am Ende seiner Amtszeit 1979 hatte Giscard d’Estaing selbst einen Skandal am Hals, als der „Canard Enchaîné“ die sogenannte Diamantenaffäre öffentlich machte. Der Präsident sollte Diamanten im Wert von 150.000 Euro von Bokassa, dem selbsternannten „Kaiser des Zentralafrikanischen Reichs“ erhalten haben. Auch wenn das anklagende Dokument sich als gefälscht erwies, hielt sich das Gerücht um Giscard d’Estaing und schwächte seine zweite Kandidatur im Jahre 1981.

Chirac

Am Vortag der Präsidentschaftswahl von 2001 wurde eine Untersuchung eröffnet, um herauszufinden, ob Jacques Chirac nicht doch ein verstecktes Konto in Japan habe. Dies verhinderte zwar nicht, dass er wiedergewählt wurde. Aber die Affäre war nur eine von zahlreichen Unklarheiten, zu denen auch der Geheimdienst DGSE beitrug. Nach Chiracs Wiederwahl wurde der Leiter der DGSE entlassen.

Reichtum und Lebensstil der Präsidentschaftskandidaten, immer schon faszinierend für die öffentliche Meinung

Bei jeder Präsidentschaftswahl werden Vermögensverhältnisse und Lebensstil der Kandidaten durchleuchtet. Valéry Giscard d’Estaing besaß und Jacques Chirac besitzt ein Schloss. François Fillon ist Besitzer eines Landsitzes. Die aristokratische Lebensweise kommt in der Öffentlichkeit relativ schlecht an. Georges Pompidou selbst hatte diesen Lebensstil mit folgenden Worten kritisiert:

Wenn man Politik machen will, braucht man kein Schloss … außer wenn es sich mindestens seit der Zeit von Ludwig XV. in Familienbesitz befindet!

Georges Pompidou

Den Fast-Präsidentschaftskandidaten Dominique Strauss-Kahn brachte ein Sittenskandal in den USA zu Fall. Im Gegensatz dazu schwächten Nicolas Sarkozy Meldungen über sein Privatleben nicht. Vielmehr schadete ihm während seiner zweiten Kandidatur 2012 die Kritik an seinem luxuriösen Lebensstil.

Bei jeder Präsidentschaftswahl erscheinen viele Artikel über die Erklärungen zum Vermögen, zu denen die Kandidaten verpflichtet sind. Das Vermögen der Familie Le Pen, das sich auf eine umstrittene Erbschaft von 1976 (6 Millionen Euro) zurückführen lässt, beschäftigt die öffentliche Meinung. Die Presse verdächtigt Marine Le Pen regelmäßig, ihren persönlichen Reichtum unter Wert anzugeben.

Ein anfänglicher Skandal hat sich nicht entwickelt: Emmanuel Macron hatte den Preis seiner Villa in Touquet unterschätzt. Um jeden Skandal zu vermeiden, ist der Kandidat von seinem öffentlichen Amt zurückgetreten. Seiner Vermögenserklärung kann man entnehmen, dass er vom Gewinn seiner Bücher lebe. Sein bekanntestes Buch „Révolution“ ist Ende November 2016 mit einer Startauflage von 200.000 Exemplaren auf den Markt gekommen.

Das ist die Paradoxie der französischen Präsidentschaftswahl: Die Franzosen werden einen Präsidenten wählen, der wie ein Monarch im Élysée-Palast leben wird, von dem zuvor aber eine gewisse Genügsamkeit verlangt wird …

 

Xavier de Glowczewski
Xavier de Glowczewski
Xavier de Glowczewski ist Dozent an Sciences Po Lille und Gymnasiallehrer für Geschichte und Geographie im deutsch-französischen Zug am Lycée Faidherbe, Lille. Er hat 2007 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.