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Plus de 6000 personnes reunies au Zenith de Paris pour ecouter Francois Bayrou; Foto: Jean-Marie Lioitier, 21.3.2007, CC BY-SA 2.0/Quelle: flickr

Das Wahlsystem der Fünften Republik begünstigt mit seinem Mehrheitsprinzip seit 1959 eine Bipolarisierung. Dennoch spielt die nicht-gaullistische Mitte-rechts-Bewegung bei jedem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl eine besondere Rolle. Seit 2002 verkörpert François Bayrou diese politische Richtung und wirkte oft genug als „Königsmacher“.

Mitte-rechts fast immer gegenwärtig bei Präsidentschaftswahlen

Schon 1965 trat Jean Lecanuet gegen de Gaulle an. Er konnte aber nur 15 Prozent der Stimmen für sich gewinnen. 1969 versuchte es Alain Poher, der zu diesem Zeitpunkt Senatspräsident und Interimspräsident war, gegen Georges Pompidou. Mit der Wahl von Valéry Giscard d’Estaing im Jahre 1974 erreichte die Mitte-rechts-Bewegung ihren größten Erfolg. Sie erfuhr jedoch ab 1976 eine Schwächung, als Jacques Chirac die RPR (Rassemblement pour la République, dt. Sammlungsbewegung für die Republik) gründete. Nach der knappen Niederlage Giscard d’Estaings im Jahre 1981 (Jacques Chirac hatte ebenso gegen ihn Wahlkampf geführt wie Mitterand), trug 1988 Raymond Barre die Farben der Mitte-rechts-Bewegung Union pour la Démocratie Française (UDF, dt. Union für die französische Demokratie). Allerdings mit 18 Prozent der Stimmen erneut ohne Erfolg. 1995 unterstützte die Mehrheit der Zentralisten die Kandidatur Edouard Balladurs (RPR) gegen Jacques Chirac. Dieser konnte die Wahl dennoch für sich entscheiden.

Zeit für François Bayrou

Im Jahr 2002 fand ein Generationenwechsel statt: François Bayrou, Vorsitzender der UDF seit 1998, trat bei der Präsidentschaftswahl an. 6 Prozent der Wähler stimmten für ihn. Beim zweiten Wahlgang gewann Jacques Chirac gegen Jean-Marie Le Pen und gründet die UMP (Union pour un mouvement populaire (UMP; dt. Union für eine Volksbewegung), um die RPR mit den Parteien der Mitte-rechts-Bewegung, darunter die UDF, zusammenzubringen. François Bayrou lehnte dies aber ab. Den Kampf um die Präsidentschaft nahm François Bayrou 2007 wieder auf. Er gründete die Partei MoDEM (Mouvement démocrate; dt. Demokratische Bewegung) und erhielt gute Umfragewerte. Zum ersten Mal seit 1988 trat ein Kandidat des Zentrums als dritter Mann in Erscheinung, der in der Lage zu sein schien, das Spiel umzudrehen. Mit 18 Prozent der Stimmen war er aber vom „Hoffnungsträger” weit entfernt. Nicolas Sarkozy sagte Bayrou keine Unterstützung zu. Er lehnte die Bipolarisierung des politischen Lebens ab und befürwortete eine Strategie der Unabhängigkeit gegenüber der UMP und den Sozialisten.

Obwohl er Vorsitzender einer geschwächten Bewegung war, kehrte François Bayrou, der sich seines präsidentiellen Schicksals sicher und Nicolas Sarkozy gegenüber sehr feindlich gesinnt war, 2012 in den Wahlkampf zurück. Er konnte aber nur 9 Prozent der Stimmen beim ersten Wahlgang auf sich vereinen. Er gab keine Wahlempfehlung ab, verkündete aber, dass er gemäß persönlicher Auffassung François Hollande wählen würde. Hier sah man zum ersten Mal ein Kippen der MoDEM in Richtung der Linken. Die Sozialisten erbrachten jedoch keine Gegenleistung, sodass sich François Bayrou Schritt für Schritt der UMP annäherte, besonders Alain Juppé.

François Bayrou und Emmanuel Macron gemeinsam unterwegs

Heute spielt MoDEM politisch gesehen so gut wie keine Rolle mehr. Allerdings prägte François Bayrou im Vorwahlkampf der Konservativen die Debatten mit: So versuchte Nicolas Sarkozy in ein schlechtes Licht zu rücken, dass François Bayrou Alain Juppés Kandidatur unterstützte. François Bayrous Rückkehr ins Scheinwerferlicht ist bemerkenswert. So ist er in Nachrichtensendungen präsent und hat gerade erst das Buch „De la vérité en politique” (dt. sinngemäß: Von der Wahrheit in der Politik) publiziert. In Umfragen lag er bei 5 Prozent der Stimmen. Auf der Tafel 11 von 25 der Umfrage „Intentions de vote – Election présidentielle 2017“ vom 8. Februar 2017, die ELABE für BFMTV und L’Express durchgeführt haben, sieht man Umfrageergebnisse mit Kandidatur Bayrous und ohne seine Kandidatur:

Seit gestern ist klar: Trotz früherer Kritik am Kandidaten Macron setzt François Bayrou auf ihn. In seiner Pressekonferenz hat Bayrou Macron ein Wahlbündnis angeboten, dass Letzterer sofort angenommen hat. Bayrou sieht die Gefahr eines Sieges von Marine Le Pen. Seine Unterstützung für Emmanuel Macron knüpft er an Bedingungen: Eine wirkliche Erneurung des politischen Lebens soll passieren, ein Gesetz „für mehr Moral in der Politik“ soll kommen (eine klare Positionierung gegen François Fillon) und das  Proportionalwahlrecht soll eingeführt werden.

Der Chef der En Marche-Bewegung und François Bayrou werden sich bald treffen. Es ist das erste Mal, dass Mitte-rechts und Mitte-links für eine Präsidentschaftswahl verbunden sind. Eine klare Wende. Seit zehn Jahren hat immer der von Bayrou im zweiten Wahlgang unterstützte Kandidat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Bis zum ersten Wahlgang dauert es noch zwei Monate. Emmanuel Macron ist unerfahren. Aber mit dem Rat und der Erfahrung von François Bayrou auf seiner Seite ist das Spiel ganz offen.

Xavier de Glowczewski
Xavier de Glowczewski
Xavier de Glowczewski ist Dozent an Sciences Po Lille und Gymnasiallehrer für Geschichte und Geographie im deutsch-französischen Zug am Lycée Faidherbe, Lille. Er hat 2007 am Deutsch-französischen Zukunftsdialog teilgenommen.

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