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Vérification d'identité; Foto: Anne Goffard, 22.4.2007, CC-BY-SA 2.0/Quelle: flickr

… obwohl alles komplex und unvorhersehbar erscheint

Unvorhersehbarkeit

In den westlichen Demokratien scheint Unvorhersehbarkeit inzwischen das Vorhersehbarste zu sein, das es geben kann. 9. November 2016: Donald John Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Wahlkampf hatten sich der Republikaner Trump und die Demokratin Hillary Clinton ein Duell auf extrem niedrigem politischen Niveau geliefert. Die Medien beschreiben das Wahlergebnis als Überraschung – die zweite große Überraschung nach der Zustimmung für den Brexit am 23. Juni 2016 in Großbritannien. Folgende Wörter begleiten unseren Alltag: Risikominimierung, Vorhersage, Kontrolle, Transparenz … Wir meinen, die Zukunft vorhersagen, gar kontrollieren zu können. Und dann diese „Überraschungen“! Es stören uns tatsächlich nicht nur die Wahlergebnisse als solche. Vor allem geht uns gegen den Strich, dass niemand diese vorhergesehen hat. Somit erleben wir, wie unkontrollierbar unsere Umwelt ist. Wir fragen uns, warum wir nicht in der Lage sind, die Zukunft besser zu durchleuchten. Es gibt doch immer mehr Datenzugang, mehr Analysemöglichkeiten.

L’isolaire | the polling booth; Foto: Tonio Vega, 22.4.2007, CC-BY-SA 2.0/Quelle: flickr

Wer in Frankreich antritt

Das Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahl wird am 7. Mai 2017 bekannt. Bis dahin ist es ganz ungewiss, wer siegen wird. Vermutlich (darf man dieses Wort noch verwenden?) wird es eine Person aus einer der drei folgenden Parteien sein: Front National (FN), Les Républicains (LR), Parti Socialiste (PS). Präsidentschaftskandidat für Les Républicains ist François Fillon. Er hat die Vorwahlen der Konservativen gewonnen. Die Sozialisten werden ihr Vorwahlergebnis erst Ende Januar 2017 kennen. Der ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat im November 2016 seine Kandidatur verkündet. Er wird nicht an der Vorwahl des PS teilnehmen. Macron will als Anti-System Kandidat auftreten. Der vorletzte Premierminister unter Staatspräsident Hollande, Manuel Valls, könnte ein aussichtsreicher Kandidat für die Sozialisten sein. Er spricht sowohl einen Teil der Parteibasis als auch rechte Wähler an. Unter anderem Arnaud Montebourg und Benoît Hamon treten bei den Vorwahlen Ende Januar gegen Valls an.

Über vier Millionen Wählerinnen und Wähler haben bei den Vorwahlen der Konservativen die Möglichkeit genutzt, bei der Stichwahl zwischen Alain Juppé und François Fillon abzustimmen. Gerade weil alle Wahlberechtigten, die den Werten der Konservativen zustimmen, prinzipiell an den Vorwahlen teilnehmen konnten, war es im Vorfeld schwierig, eine Prognose zu machen. Die Kandidatur Emmanuel Macrons, die kurz vor den Vorwahlen des bürgerlich-konservativen Lagers bekannt wurde, hat vermutlich Alain Juppés Position etwas geschwächt. Es ging nicht unbedingt darum, den besten Kandidaten für die Rolle des Präsidenten zu wählen. Wichtiger war es, den besten Kontrahenten des Kandidaten der anderen Parteien ins Rennen zu schicken. Als Kämpfer und Hardliner kann François Fillon besonders gegen den Front National punkten. Die Sozialisten haben den Vorteil, dass sie sich noch taktisch umorientieren können. Eins gilt als sicher: Marine Le Pen wird den FN in die Präsidentschaftswahl führen.

(K)eine einfache Frage

Das alles scheint kompliziert und könnte viele überfordern. Die rege Beteiligung am zweiten Wahlgang der Konservativen-Vorwahlen verdeutlicht eher, dass den Wählerinnen und Wählern bewusst ist, welch entscheidende Rolle sie bei der Wahl des künftigen Präsidenten spielen. Fällt die Beteiligung an den Vorwahlen der Sozialisten ebenfalls hoch aus, wäre dies eine Bestätigung für diese Annahme.
In Wirklichkeit geht es „nur“ um eine persönliche Entscheidung, die auf Vorlieben und Befindlichkeiten basiert. Letztendlich könnten wir die Wahl auch nach dieser einfachen Frage treffen:

[You] will stand there in the polling place and make a decision. I think when you make that decision, it might be well if you would ask yourself, are you better off than you were [five] years ago?

Ronald Reagan, 1980

Isoloirs français lors de lélection présidentielle 2007 2e tour; Foto: Ceridwen; 6.5.2007, CC-BY-SA FR/Quelle: flickr

Yannick Willemin
Yannick Willemin
Yannick Willemin ist Weltbürger, Intrapreneur bei SGL Group, Entrepreneur und ehemaliger Teilnehmer des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs 2012.

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